Schwungschule: Der Drive

Aktives Lernen

Wer seine Scores deutlich verbessern möchte, davon ist Golftrainer Mark Mattheis überzeugt, der muss bei seinem langen Spiel ansetzen. Dessen Basis ist der Drive - und Mattheis erklärt Ihnen hier, wie Sie mit Ihrem Holz vom Tee weg besser werden können.

Früher sind wir Männer mit der Keule auf die Jagd gegangen. Damals war es überlebenswichtig, mit diesem Mordsinstrument gut umgehen zu können. Heute gibt es im Leben eines Golfers nur eine Keule, die wirklich zählt: den Driver. Statt damit Tiere zu erlegen, sind wir bestrebt, mit seiner Hilfe möglichst große Längen zurückzulegen. Und überlebenswichtig ist der richtige Umgang mit dem »Prügel« nun auch nicht mehr, aber der Drive ist eine der entscheidenden Grundlagen für einen guten Score.

Als Spieler wissen Sie, wie einfach das Spiel wird, wenn Sie Ihren Abschlag an jedem Loch gut getroffen auf das Fairway platzieren. Ein sicherer Abschlag bringt Ihnen einen leichten zweiten Schlag, und Sie tanken immer wieder Selbstvertrauen. Jeder Golfer kennt das deprimierende Gefühl, einen provisorischen Ball ansagen zu müssen. Ist der zuerst gespielte Ball auch noch verloren, folgt meist ein schlechter Score an der zu absolvierenden Bahn. Und wer Rundenanalysen macht, wird oft feststellen, dass er die meisten Schläge nicht im kurzen, sondern im langen Spiel verliert.

Ich unterrichte Golf seit 1996 und habe die Untersuchungen des US-amerikanischen Kurzspielgurus Dave Pelz in mich aufgesaugt. Meine Schüler mussten intensive Puttübungen machen und haben dadurch ihren Score verbessert. Heute empfinde ich Putten immer noch als einen sehr wichtigen Teil des Spiels, doch wer sich deutlich verbessern möchte, muss bei seinem langen Spiel ansetzen.

Hierbei bildet der Drive die Basis. Die Wahl des richtigen Schlägers ist dabei entscheidend. Mag sein, dass Sie an Ihren Fähigkeiten zweifeln, möglicherweise jedoch hängt Ihre Schwäche einfach damit zusammen, dass Sie den falschen Schläger in Ihren Händen halten. Bei der Auswahl Ihrer »Keule«, das sollte Ihnen klar sein, müssen Sie viel Zeit investieren - und Geduld mitbringen.

Um noch einmal darauf zurückzukommen: Selbst die Steinzeitmenschen nutzten Keulen unterschiedlichen Formats, und schon damals wurden an den jeweiligen Krieger angepasste Keulen geschwungen. Aufgrund unterschiedlicher körperlicher Staturen (Stärke und Größe) hatten unsere Vorfahren kleine und leichte oder große und schwere Keulen. Wer klein und eher schwach war und eine zu große und schwere Keule ausgewählt hatte, wurde vom Jäger zur Beute.

Selbst die Steinzeitmenschen nutzten Keulen unterschiedlichen Formats, und schon damals wurden an den jeweiligen Krieger angepasste Keulen geschwungen - kleine und leichte oder große und schwere. Wer klein und eher schwach war und eine zu große Keule ausgewählt hatte, wurde vom Jäger zur Beute.

Die heutigen »Keulen« müssen ebenfalls zu Ihrem Phänotyp passen. Um Ihren Driver zu finden, sollten Sie viele Testschläge mit verschiedenen Modellen machen. Ideal für diese Findungsphase ist ein Demotag, wie sie das ganze Jahr über auf deutschen Anlagen von Equipmentherstellern angeboten werden. Nur an diesem Tag wird es Ihnen möglich sein, Ihr Lieblingsmodell mit verschiedenen Lofts und unterschiedlichen Schäften auszuprobieren. Achten Sie dabei jedoch darauf, sich von den Vertretern nicht zu viel erzählen zu lassen, sondern nutzen Sie die Zeit lieber, um viele Bälle mit den diversen Lofts und Schäften zu schlagen.

Beobachten Sie dabei Ihren Ballflug genau. Mit welchem Schläger haben Sie die größte Weite, die größte Genauigkeit, und welcher Schläger fühlt sich am besten an? Auch wenn Sie der festen Überzeugung sind, einen Stiff-Schaft zu brauchen, sollten Sie gleichwohl Regular-Schäfte testen. Lassen Sie sich nicht von dem Schriftzug auf dem Schläger beeinflussen, sondern entscheiden Sie nach dem besten Ballflug. Wenn Sie einen Driver mit zu wenig Loft wählen, dann werden Sie womöglich deutliche Kontrollprobleme haben und sich sehr verrenken müssen, um den Ball überhaupt zum Fliegen zu bringen. Wählen Sie dagegen den falschen Schaft, dann werden Sie es am schlechten Ballflug sehen und darüber hinaus kein gutes Gefühl dabei haben.

Früher habe ich Golfanfängern in den ersten Spielmonaten abgeraten, einen Driver zu kaufen. Damals waren die Schlägerköpfe etwas kleiner als heute, der Schwerpunkt in den Schlägerköpfen nicht so weit zur Sohle verlagert, und es gab kaum Driver mit mehr als 10 Grad Loft. Mit den heutigen Modellen haben sich diese Spezifikationen für den Golfbeginner deutlich verbessert. Das zur Sohle verlagerte Gewicht und Loftzahlen von 12 bis 15 Grad helfen Ihnen, den Ball leichter in die Luft zu bekommen. Die großen Schlagflächen übertragen auch bei nicht mittig getroffenen Bällen viel Energie auf den Ball, was den Spielspaß deutlich steigert.

Den richtigen Schläger können Sie aber nur finden, wenn Sie wissen, wie ein guter Drive geschlagen wird. Für einen optimalen Abschlag müssen Sie nämlich einiges anders machen als beim Schlag nach einem auf dem Boden liegenden Ball. Der Drive bekommt seinen idealen Flug, wenn Sie Ihn wie einen guten Putt schlagen. Sie sind überrascht, dass es eine Verwandtschaft zwischen Driven und Putten gibt? Gut, dann lernen Sie jetzt etwas Neues.

Im Gegensatz zu allen anderen Schlägen müssen Sie beim Drive nämlich versuchen, den Ball in der Aufwärtsbewegung zu treffen. Beim Putten bringt diese Schlagtechnik den Vorteil, dass der Ball schnell und gleichmäßig zum Rollen kommt. Beim Driven entsteht auf diese Weise wenig Rückwärtsdrall, dadurch fliegt der Ball druckvoll nach vorne, springt nach der Landung und rollt noch weit aus.

Diese Schlagart ist jedoch nur beim Driven von einem Tee möglich. Durch die erhöhte Balllage kann sich der Schlägerkopf von unten nach oben durch den Ball bewegen. Damit dies gelingt, sollte Ihr Körpergewicht im Treffmoment unbedingt hinter dem Ball sein. Deshalb teen Sie den Ball deutlich links der Standmitte auf.

Der Driver entwickelt im Schwung aufgrund seiner Schaftlänge und seines Gewichts den größten Zug auf den Spieler. Um diese Kraft zu kontrollieren, sollten Sie sich deutlich breiter an den Ball stellen (etwas breiter als Schulterbreite).

Um möglichst viel Tempo zu erzeugen, dürfen Sie sich im Ausholen weit nach rechts bewegen (etwa eine Kopfbreite), um dann druckvoll nach links durchziehen zu können; diese Form der Gewichtsverlagerung und Körperverschiebung ist ähnlich der, wenn Sie einen Ball besonders weit werfen wollen.

Verlagern Sie beim Ausholen Ihr Gewicht deutlich auf den rechten Fuß. Versuchen Sie, schnell und gleichzeitig locker zu sein. Wer versucht, den Ball mit aller Gewalt zu schlagen, hat meist eine langsamere Schlägerkopfgeschwindigkeit, denn: Feste Muskeln sind langsam. Schnell ist nur, wer wie der Weltranglistendritte Ernie Els Gas geben kann und gleichzeitig locker bleibt.

Diesen Effekt können Sie auch an Demotagen sehr gut testen. Wenn die Schlägerfirma einen Launchmonitor - eine Art Radargerät für Golfbälle - dabeihat, schlagen Sie einige Bälle mit voller Gewalt und einige schnell und locker. Der Monitor zeigt Ihnen neben dem Startwinkel und Drall des Balles meist auch die Schlägerkopf- und die Ballabfluggeschwindigkeit an. Sie werden feststellen, dass Ihr Schlägerkopf und Ihr Ball bei lockeren und schnellen Schlägen die höchste Geschwindigkeit haben. So machen Sie Weite.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch einige Ideen mitgeben, um Ihr Driven zu optimieren.

Basics für Golfeinsteiger:

  • Ballposition am linken Fuß

  • Breiterer Stand (um bei größerem Tempo die Balance zu halten)

  • Das Gewicht im Setup mittig bis leicht auf den rechten Fuß verlagern

  • Beim Ausholen die Schulter mindestens um 90 Grad drehen

  • Schlagen Sie nicht fester auf den Ball als mit anderen Schlägern

  • Greifen Sie den Schläger locker

  • Der Driver sollte Ihrer Schlägerkopfgeschwindigkeit entsprechend Loft haben, damit er die maximale Länge erreicht und Ihr Schwung sich nicht verschlechtert


Ideen für Fortgeschrittene:

  • Nutzen Sie Abdrucktape, um den Treffmoment zu analysieren. Bestimmen Sie damit die Idealhöhe beim Rufteen. Je nach Driver ist der ideale Punkt (Sweetspot) genau in der Mitte oder leicht oberhalb

  • Testen Sie vor dem Kauf eines neuen Drivers den Schläger auf dem Golfplatz. Schlagen Sie an mehreren Löchern 3 bis 5 Bälle mit Ihrem alten Driver gegen 3 bis 5 Bälle mit dem neuen Driver. Die Bälle sollten von gleicher Qualität sein, damit sich der Vergleich lohnt. Einen Kauf würde ich erst empfehlen, wenn Sie den neuen Schläger mindestens 10 bis 15 Meter länger schlagen als Ihren alten Driver

  • Der Schaft eines Schlägers bestimmt deutlich die Spieleigenschaften. Wenn Ihnen ein Schläger besonders gut gefällt, könnte es auch am Schaft liegen. Versuchen Sie, den gleichen Schaft (Flex, Modell und Firma) auch mit anderen Drivern zu testen

  • Sollten Sie Kontrollprobleme beim Driven haben, probieren Sie verschiedene Grifflängen aus. Sie müssen den Schläger nicht immer am äußersten Ende greifen, verkürzen Sie die Distanz zum Schlägerkopf, und Ihre Präzision wird sich verbessern. Auch Tiger Woods spielt einen verkürzten Driver!

  • Als guter Spieler sollten Sie einen Sicherheitsschlag haben. Wenn Sie sich mit Ihrem »normalen« Schwung nicht wohl fühlen, spielen Sie Ihren Sicherheitsschlag und versuchen Sie, nach der Runde auf der Range wieder Vertrauen zu Ihrem normalen, vollen Schwung zu bekommen


Ich hoffe, ich kann Ihr Spiel mit meinen Ideen bereichern und Ihnen helfen, die Jagd mit Ihrer Keule erfolgreicher werden zu lassen. Über Ihre Jagderfahrungen können Sie auch gern berichten und einen persönlichen Kommentar abgeben. Darüber würde ich mich sehr freuen. Wenn Sie fragen zu Themen haben schicken Sie mir bitte eine E-Mail.

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