Rescue me - Der Hybrid-Schläger verzeiht Fehler

Aktives Lernen

Verdammt, der Abschlag ging daneben. Richtig daneben! Irgendwo in 150 Metern Entfernung hoppelt die Kugel ins Rough. Während die Schläger in den Wagen hinter uns über das Fairway klappern, plagt der Gedanke, wie schlimm der „Ballunfall“ war.

Wird es wohl klappen, einen ordentlichen Schlag aufs Grün zu meistern? Und vor allem, mit Holz oder Eisen? „Am besten keines von beiden“, gibt Mark Mattheis als Antwort. Der Teaching-Pro des GC in St. Leon-Rot hat für den Hobbygolfer einen ganz anderen Tipp: einen so genannten Hybrid- oder Rescue-Schläger.

Selten hat eine ganze Schlägerart so geboomt wie zurzeit die Hybrid-Schläger. Sie sind im Prinzip eine Zwitterkonstruktion – halb Holz, halb Eisen. Ihr Vorteil liegt laut Mattheis in Handhabung und Berechenbarkeit. „Wir spielen hier mit einer Mischung aus langem Eisen und Fairwayholz“, sagt der Trainer. Das Volumen des Kopfes geht eher in Richtung Holz, während der Lagewinkel eher einem Eisen entspricht – und genau das sind die Eigenschaften, die den Hybrid so populär machen. Der Spieler steht näher am Ball, weil der Schaft kürzer ist als bei einem Holz – und kann ihn somit besser ansprechen.

In vielen Schlägersätzen gibt es eine Lücke für die längeren Distanzen, die sich mit einem langen Eisen theoretisch überbrücken lassen, praktisch aber ein sauberes Treffen erfordern. „Und genau hier liegt der Knackpunkt“, erklärt der 34-Jährige. „Der Hobbygolfer lässt nicht einen perfekten Schlag nach dem anderen raus.“ Umso wichtiger ist deshalb dieser Zusammenschluss der jeweiligen Vorteile: Das lange Eisen wird vom Hybrid durch eine breite Bodenplatte, die eher über den Boden rutscht und weniger Hacker provoziert, ausgestochen. Außerdem korrigiert die größere Masse des Kopfes unsaubere Schläge. Das Holz verliert in der Kategorie „Stand zum Ball“ gegen den Hybrid. Dennoch – so ist das Leben – wirft jeder Sonnenstrahl auch seinen Schatten. Weil die Schaftlänge des Hybrid kürzer ist als die des Holzes, erreicht der Spieler eine geringere Ballgeschwindigkeit – entsprechend schlägt er nicht so weit. Und mit dem Eisen ist es schlichtweg möglich, den Ball präziser zu treffen.

Inzwischen drängen die Hybrid-Schläger nicht nur als letzte Hilfe bei verunglückten Schlägen auf den Markt. Die Marke „Voit“ beispielsweise präsentiert einen völlig neuen Schlägertyp für den mittelmäßigen Golfer, den Big Easy, den ersten Hybrid Driver der Welt. Zielgruppe des Hybrid Driver sind Spieler mit Handicaps zwischen 26 und 36. Diese haben oft Probleme mit den langen Schäften und niedrigen Lofts (Neigungswinkel der Schlagfläche eines Golfschlägers). In ihrer Not greifen sie dann zu Fairway-Hölzern. „Das endet meist damit, dass die kleinen Köpfe zu wenig Weite und zuviel Spin erzeugen“, erklärt Mattheis. Mark Mattheis hat in jedem Fall eine klare Empfehlung: „Für 90 Prozent der Golfer ist der Griff zum Hybrid ratsam – er verzeiht einfach mehr.“ Die wichtigste Erkenntnis ist aber sicherlich, dass dieser Schläger Selbstvertrauen gibt. Auch nicht optimal getroffene Bälle fliegen richtig gut. Und das erspart das Fluchen – das auf dem Golfplatz bekanntlich gegen die Etikette verstößt.





Fitting

Ein großes Anliegen unseres Golf-Experten Mark Mattheis ist die Wahl des richtigen Schlägers und Schaftes. Nike, Callaway und Taylormade bieten neuerdings ein Schraubsystem an, das dem ambitionierten Golfer zahlreiche Möglichkeiten bietet, verschiedene Schlägerköpfe auf diverse Schäfte zu schrauben – um so die perfekte Kombination zu erreichen. „Es gibt Schüler von mir, die präsentieren mir stolz ihr sündhaft teures neues Equipment – und ich sehe beim ersten Schlag, dass sie etwas völlig Falsches gekauft haben“, erzählt Mattheis. Dabei kann der Golfer durchaus ein Schnäppchen machen. „Meist kommen meine Schüler mit weitaus günstigeren Schlägersätzen besser zurecht als mit denen, die sie gekauft haben.“

Das Basis-Fitting sollte Folgendes beinhalten: 
Um eine optimale Schaftlänge zu ermitteln, muss der Hand-Boden-Abstand gemessen werden. Für alles Weitere geht es an den Launch Monitor. Hier kann der Pro die Schlägergeschwindigkeit für die nötige Flexibilität des Schaftes ermitteln. Als Nächstes gilt es, die optimale Griffdicke zu finden – und schon müsste eigentlich fast der perfekte Schläger zusammengebaut sein.

Da aber nicht alles blanke Theorie sein soll, geht es in die Praxis. Nun muss das Schlägerkopfdesign auf Grund der Spielstärke ermittelt werden. Idealerweise macht der Pro das mit einem Face Tape (ein Abdruckklebeband, das auf der Schlagfläche aufgebracht wird). Nach fünf bis zehn Schlägen sieht man daran, ob der Spieler den Ball auch in der Mitte des Schlägers trifft. Mattheis empfiehlt bei einer großen Trefferzone auf der Schlagfläche mehr Cavity-Back. Darunter versteht man eine Konstruktionsform des Schlägerkopfes – in diesem Fall wird die Schlägerrückseite ausgehöhlt.


Ein gutes Spiel!

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